Umweltbewusste Bestattung

28. August 2015 – Todesfall / Trauer

Ökologisches Begräbnis

Wie Begräbnisse grüner werden

Der Verlust eines lieben Menschen durch plötzlichen Tod oder Ableben nach schwerer Krankheit ist für die Hinterbliebenen ein großer seelischer Einschnitt. Besonders in den ersten Tagen gibt es immer wieder Momente, in denen der Betroffene von schmerzvoller Trauer überwältigt wird.
Manch ein Betroffener empfindet es als Erleichterung, wenn er bei der Organisation der Trauerfeierlichkeiten Unterstützung bekommt.
Für die Hinterbliebenen ist es hilfreich, wenn der/die Verstorbene noch zu Lebzeiten seine/ihre Wünsche zur Verabschiedung geäußert hat. Die Umsetzung seiner/ihrer Vorstellungen zu den Feierlichkeiten kann für die Trauernden sehr tröstend wirken. Im besten Fall kann es den Abschied sogar erleichtern.

Wenn die Trauerfeierlichkeiten abseits der Norm sein sollen, sei es aufgrund einer speziellen Bestattungsform, wie z.B. eine möglichst umweltfreundliche Verabschiedung, dann ist eine professionelle Beratung sinnvoll.
Die Belastung unseres Planeten durch schädliche Umwelteinflüsse hat in den letzten Jahren bei einem Großteil der Bevölkerung für einen Bewusstseinswandel gesorgt. Zunehmend entscheiden sich mehr Menschen für die ökologische Variante in vielen Lebensbereichen, sogar beim eigenen Begräbnis.
Die in unserer Kultur traditionelle Erdbestattung wird neu hinterfragt, weil diese Art der Ruhestätte eine nicht unerhebliche Belastung für die Umwelt darstellt. Andere Bestattungsformen wie z.B. die Feuerbestattung, die Seebestattung, aber auch z.B. die Beerdigung in einem Ökosarg sind da wesentlich umweltfreundlicher.

Umweltbewusste Bestattung Sarg

Foto: cardboard bio-degradable eco coffin isolated on white with clipp © Winston Link / Fotolia.com


Umweltbewusste Bestattung von Anfang an

Sollte der / die Verstorbene oder die Hinterbliebenen den Wunsch  nach einer umweltfreundlichen Bestattung gehabt bzw. haben, dann kann diesen Vorstellungen auch ganzheitlich gerecht werden. Von der Aussendung der Parte, Danksagung auf die Beileidschreiben, das Sterbebilchen, den Verzicht auf Blumenschmuck bis hin zur Bestattungsform kann sehr viel im Sinne von Umweltschutz getan werden.

Bereits bei der Todesanzeige gibt es mehrere Möglichkeiten, um Familie, Freunde, Verwandte oder Geschäftspartner vom Tod des Verstorbenen zu informieren und den Termin der Trauerfeier bekannt zu geben.
Sollte der Kreis der zu Informierenden sehr groß sein, kann es erforderlich sein, den Druck einer Parte in Auftrag zu geben.
Das Thema Umweltfreundlichkeit hat auch vor der Druckereibranche nicht Halt gemacht. Einige Druckereien bieten den Service „klimaneutrales Drucken“ an und drucken auch auf zertifiziertem Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft. So können die Hinterbliebenen schon beim Versand der Traueranzeige oder später der Danksagung für die erbrachte Anteilnahme Verantwortung für die Umwelt übernehmen, und zwar auf die Art, wie es der Verstorbene/die Hinterbliebenen gewünscht
hat/haben.

Achten Sie bei der Suche nach einer umweltfreundlichen Druckerei z.B. in Deutschland vor allem auf das Deutsches Umweltzeichen “Blauer Engel”. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.
Für österrechische Produkte auf das Österreichische Umweltzeichen oder das EU Ecolabel für Produkte aus dem Raum der Europäischen Union.

Das Internet als Medium der Zukunft bietet umweltfreundliche Möglichkeiten eine Parte auszusenden.
In speziellen Trauerportalen kann mittels digitaler Traueranzeige die Erinnerung an verstorbene Menschen auf einen breitere Ebene gestellt werden. Dort können Traueranzeigen selbst gestaltet und für ganz Österreich oder einzelne Bundesländer veröffentlicht werden. Gerade für die jüngere Generation mit ihrer Affinität zum Internet kann das Erstellen von Erinnerungswebseiten helfen, die Beziehung zum verstorbenen Menschen in eine Erinnerungsbeziehung umzuwandeln.

Was genau ist an der Erdbestattung umweltschädlich?
Rund ein Prozent der österreichischen Bevölkerung verstirbt jährlich.
Auf der Webseite des Statistischen Bundesamtes ist die Anzahl der jährlichen Todesfälle in Deutschland für das Jahr 2013 mit knapp 900.000 Personen beziffert. Nimmt man die Schweiz noch hinzu und berücksichtigt die Tatsache, dass die Beerdigung noch immer die häufigste Bestattungsform ist und die Einäscherung in Holzsärgen vorgenommen wird, kommt es zu einer beachtlichen Summe von Holzsärgen, die jährlich produziert werden müssen.
Alleine für den deutschsprachigen Raum bedeutet das, es muss für die Sargproduktion eine große Anzahl von Bäumen gefällt werden.
In einem Land mit mehr als dreihundert Millionen Einwohnern, wie den Vereinigten Staaten, ist die Umweltbelastung dementsprechend höher. Nachfolgend ein paar drastische Zahlen für die Produktion von Särgen. Aber auch Zahlen wie viele Liter an umweltschädigenden Substanzen nur über die Einbalsamierung in das Erdreich gelangen.

  • 33 Millionen Festmeter Holz für Särge
  • 60.000 Tonnen Stahl und 1,6 Millionen Tonnen Stahlbeton für die Ummauerung der Gräber
  • Einbringung von 15.000 Litern giftiger Einbalsamierungsflüssigkeit

Wichtige Merkmale einer ökologischen Bestattung
Der Sarg muss nicht zwingend aus Holz sein. Am Umwelt schonendsten wäre den Verstorbene in einem Papiersarg oder Leichentuch zu bestatten. Doch leider besteht z.B. In Österreich eine Sargpflicht, da genau definierte Auflagen für den Leichentransport erfüllt werden müssen (Stabilität, Dichtheit, …).
Da aber, wie schon erwähnt, auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen eines jeden Landes bzw. Bundeslandes z.B. keine Flüssigkeiten bzw. Gerüche dürfen austreten bzw. eine Leiche darf nur in einem stabilen Sarg transportiert werden, ist der Einsatz der Ökosärge z.B. in Österreich sehr beschränkt und kann daher in den meisten Fällen bis jetzt einen herkömmlichen Sarg noch nicht ersetzen.
Die Situation ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich kompliziert, da das Leichen- und Bestattungsgesetz bundesweit NICHT einheitlich geregelt ist.
Wenn nicht unbedingt notwendig, z.B. für einen langen Transportweg der Leiche, ist es im Sinne der Umwelt ratsam, auf eine Balsamierung des Leichnams zu verzichten. Das zugesetzte Formaldehyd in den Balsamierungsprodukten gelangt durch den Verwesungsprozesses in das Grundwasser und verursacht Umweltschäden.

Auch die Kremation in einem Pappsärgen ist problematisch, da der Sarg zu schnell verbrennt und die Leiche sich schlecht entzündet. Dennoch bieten Bestattungsunternehmen in den deutschen Größstädten, Berlin, Hamburg, Köln, …  Ökosärge aus Pappe an, weil eben das Bedürfnis der Menschen nach einer umweltfreundlichen Bestattung gestiegen ist.
Diese sind möglichst frei von Metallen, Lacken und Kunststoff.
Bei der Feuerbestattung sind folgende wichtiger Umweltaspekte zu berücksichtigen:
Eventuell erhöht sich die Quecksilberbelastung in der Luft durch die Verbrennung der im menschlichen Körper enthaltenen Zahnplomben aus Amalgam.
Gut zum Ausdruck kommt diese Problematik in dem nachfolgenden Beispiel: In Großbritannien liegt der Anteil der Quecksilberemissionen durch den Rauch von Krematorien laut Schätzungen der “Federation of Burial and Cremation Authorities (FBCA)” schon bei sechzehn Prozent der gesamten Quecksilberemissionen.
Aber auch im Leichnam enthaltene Antibiotika, Zytostatika, … belasten die Umwelt.
Manche Krematorien verwenden aufwendige Filter, damit die schädlichen Substanzen,  die beim Verbrennungsprozess entstehen, gesondert in einem Salzstock entsorgt werden können. In Deutschland gibt es auch für diese umweltfreundlichen Krematorien ein Gütezeichen.
Sollte es in Erwägung gezogen werden, dass der Sarg von den Hinterbliebenen bemalt wird, ist darauf zu achten, dass wasserlösliche Farben und keine Lacke verwendet werden.

Besondere Naturbestattungen
Für naturverbundenen Menschen ist in den letzten Jahren auch für Österreicher und Deutsche eine Bestattung außerhalb eines Friedhofes möglich. Als letzte Ruhestätte können besondere Plätze in der Natur  gewählt werden, wie z.B. Almwiesen, Bergbäche, Felsen, Täler oder Seeufer usw. Allerdings ist bei dieser Art der Bestattung die Einäscherung Voraussetzung.
Positiv ist bei der Feuerbestattung, Baumbestattung und für die Seebestattung zu erwähnen, dass es Urnen aus natürlichen Materialien (Salzkristalle, reines weisses Porzellan, Bienenwachs, Harz, Bananenblättern, Hanf, …) gibt, die sich auflösen und somit von der Erde bzw. Wasser aufgenommen werden können.
In der Schweiz entstand das Konzept von Friedwald, welches inzwischen  in Deutschland und Österreich in ähnlicher Form angeboten wird. Dabei wird die Asche der Verstorbenen in der Schweiz ohne Urne, in Deutschland und Österreich in einer biologisch abbaubaren Urne direkt in das Wurzelwerk von Bäumen eingebracht. Nähere Informationen finden Sie auch unter dem Suchbegriff “Baumbestattung”.

Wie auch immer die Verabschiedung des Verstorbenen aussehen mag, die Befriedigung, seines letzten Willen, ist ein wichtigen Beitrag zur Trauerarbeit der Hinterbliebenen und mitunter zur Schonung der Umwelt.

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Kategorien: Todesfall / Trauer

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