Fehlgeburt-Bestattung

31. August 2011 – Todesfall / Trauer

Baby verloren-Begräbnis

Was passiert mit Babys, die bei der Geburt weniger als 500 Gramm Körpergewicht haben?

Als Fehlgeburt wird jene Geburtsform bezeichnet, wenn das Baby ein Körpergewicht unter 500 Gramm hat. Dazu die passende Stelle aus dem Hebammengesetz:
“…, wenn bei einer Leibesfrucht kein Zeichen einer Lebendgeburt vorhanden ist und die Leibesfrucht ein Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm aufweist”
Unter 500g Köpergewicht:

  • besteht keine standesamtliche Meldepflicht
  • das Kind wird nicht ins Sterberegister eingetragen und
  • bekommt keine Sterbeurkunde

Oft fehlt unserer Gesellschaft das Bewusstsein für die Wichtigkeit, sich von einem toten Körper zu verabschieden. Meistens entscheidet das Pflegepersonal oder die Betreuenden, dass der Anblick des toten Kindes für die Eltern nicht zumutbar ist. Das Kind wird nach der Geburt schnell weggebracht und die Eltern haben auf Grund der Ausnahmesituation weder die Kraft noch die Zeit, ihre Bedürfnisse zu äußern. Der Abschied wird verhindert und somit das Kind nicht als bestattungswürdiges Lebewesen anerkannt. Das Kind wird entsorgt. Oft verlangt die Gesellschaft  von den verwaisten Eltern, dass sie das Erlebte schnell vergessen und den Verlust rasch bewältigen, z.B. indem sie zu den betroffenen Eltern sagt:”Ihr seid ja noch jung ….”

Da in Österreich jedes Bundesland ein eigenes Landesgesetz für Leichen- und Bestattungswesen hat, ist der Umgang mit Fehlgeburten unterschiedlich. Die Leichen-und Bestattungsgesetze der Länder setzen sich zumindest am Rande  mit dem Umgang von Fehl-und Totgeburten auseinander. Ausnahmen Niederösterreich und Wien.
Die Bestattungsgesetze der Länder Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg normieren, dass die jeweiligen Rechtsvorschriften auf Tot- und Fehlgeburten “jeden Alters” (§ 28 Abs 1 Tiroler GemeindesanitätsdienstG) oder “ohne Rücksicht auf den Entwicklungsgrad” (1 Abs 1 Oö BestattungsG; 1 Abs 2Vlbg BestattungG)

In Wien
ist es seit 1985 möglich das verstorbene Baby in einem Sammelgrab – am Grabfeld 35B der Wiener Zentralfriedhofes – bei zu setzen.
Die Fehlgeburten der Wiener städtischen Krankenhäuser und des Hanuschspitals werden gesammelt, gemeinsam kremiert und bestattet. Ungefähr 20 bis 30 Babies werden in einem Sarg zusammengelegt und im Krematorium feuerbestattet. Von einem Baby bleibt ungefähr ein Fingerhut Asche zurück, welche in eine Sammelurne kommt. Die Urne wird in einem Schachtgrab beigesetzt. Die Sammelurne bleibt im Sammelgrab, im Gegensatz zur Erdbestattung von Totgeburten (diese werden unwiderruflich nach 10 Jahren aufgelöst) bestehen.
Das Begräbnis und die Grabstätte sind gebührenfrei.
Der Bestattungstermin findet jeweils am 1. Freitag im März, Juni, September und Dezember des laufenden Jahres statt. Um 8 Uhr früh beginnt die Verabschiedungsfeier in der Halle 3.
Der Babyfriedhof  befindet sich vom Tor 3, wenige hundert Meter von der Hauptachse entfernt und rechterhand.
Diese Kinder haben offiziell keinen Namen bekommen.
Falls das Kind bestatten wird, können betroffene Eltern auf den Grabstein, das Kreuz, etc. schreiben, was sie gerne möchten.

Achtung:
Ein Begräbnis ist nur möglich wenn das Geburtsgewicht über 500 Gramm beträgt (= Totgeburt) und wie schon erwähnt wird das Grab am Wiener Zentralfriedhof nach 10 Jahren aufgelöst. Daher entscheiden sich immer mehr Eltern, auch bei Totgeburten (Geburtsgewicht mehr als 500 Gramm) eine Feuerbestattung durchführen zu lassen da die Urne im Sammelgrab bestehen bleibt.

Hinweis:

1) Auch  bei einer Bestattung am Wiener Zentralfriedhof auf dem Grabfeld 35B können Eltern für ihr Kind ein religiöses Begräbnis gestalten.
Die katholische Kirche hat einen eigenen Ritus für noch nicht getaufte Kinder.
2) In Kärnten ist eine individuelle Bestattung von Fehlgeburten möglich.

Selten ist es möglich eine unbürokratische Bestattung zu erreichen. Dafür sind viel Engagement und Beziehungen notwendig, dass Sie das Baby einfach ausgehändigt  bekommen, um es selbst zu bestatten. Früher war es üblich die Fehlgeburt mit der Plazenta zu begraben.

Vergessen ist kein geeignete Form mit Trauer um zu gehen. Es gilt viel mehr einen würdevollen Platz der Trauer für das geliebte, verstorbene Kind zu schaffen.

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Kategorien: Todesfall / Trauer

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