Vater sein trotz Scheidung

15. Oktober 2010 – Scheidung / Trennung

Beziehung zu Kindern nach Trennung

Rechte und Pflichten von Scheidungsväter

Für Männer, die in einer “traditionellen” Ehe gelebt haben, in der sie das Geld nach Hause gebracht und sich die Frau vorwiegend um Haushalt und Kinder gekümmert hat, verändert sich nach einer Scheidung einiges: Ab dem Zeitpunkt der rechtsgültigen Scheidung können sie meistens (wenn der Mutter die alleinige Obsorge zugesprochen wurde) nur nach Absprache (mit der Kindesmutter) mit ihren Kindern zusammen sein – und das meist nach  starren Regeln: z.B.: Jeden Mittwoch Abend, jedes zweite Wochenende, oder ähnlich. Die Treffen des Vaters mit den Kindern verlaufen nicht immer ungezwungen. Der Druck, die gemeinsame Zeit besonders schön und interessant für die Kinder gestalten zu müssen, kann eine Belastung sein – auch für die Kinder. Die Angst, dass sich die Kinder vom Vater  entfremden könnten, ist latent vorhanden.

Die gemeinsamen Zeiten des  Vaters mit den Kindern sind im Sinne des Kindeswohls äußerst wichtig. Kinder wollen in erster Linie erfahren, dass sie nach wie vor von ihren Vätern geliebt werden und dass die Probleme mit dem Partner in keinem Zusammenhang mit ihnen selbst stehen.

Tipps:

  • Vermeiden Sie den Eindruck, dass die Zeit der Kinder, welche sie mit dem Vater verbringen nur aus “Gaudi” besteht. Erinnern Sie sie – genau wie auch die Mutter – an ihre Pflichten, leben sie dem Kind / den Kindern ein gesundes Leben vor (Wanderungen, Spiel, Sport) und machen sie ihnen bewusst, dass Freizeiterlebnisse, für die man bezahlen muss, auch wirklich etwas Besonderes sind. Nehmen Sie sich als Vater auch der Pflichten an, die von den  Kindern zu erbringen sind. Übernehmen Sie dadurch einen Teil der so wichtigen Erziehungsarbeit. Sie werden feststellen, dass Ihnen dies auch die Anerkennung der Kinder bringt. Ihre geschiedene Frau sieht dann in Ihnen nicht nur den Vater, der sich bei den Kindern die Zuneigung „erkauft”, sondern den Partner, der seine Vaterpflicht zur Erziehung der gemeinsamen Kinder ernst nimmt.So wird von der erziehungsberechtigten Mutter viel psychischer Druck genommen, der sich dann aufbaut, wenn diese das Gefühl hat, bei der Erziehungsarbeit als „alleine“ Erziehungsberechtigter wirklich alleine – d.h. „im Stich“ gelassen zu sein.
  • Sprechen Sie über wichtige Entscheidungen mit der Mutter der Kinder und präjudizieren Sie diese gegenüber den Kindern nicht.
  • Fragen Sie als Vater möglichst oft Ihre Kinder, wie ihr Leben so verläuft: Alltag, Hobbys, Schule, Schulprobleme, Freunde, das Liebesleben usw. Dies soll aber keinen “Verhörcharakter” haben, sondern ganz locker, wie “nebenbei” geschehen. Zeigen Sie ehrliches Interesse. Lassen Sie den Kindern Zeit für ihre Antworten. Die meisten Kinder wollen sich gerne selbst mitteilen – am liebsten aber auf gleicher Gesprächsebene und nicht in der Atmosphäre eines Autoritätsverhältnisses.
  • Bemühen Sie sich, die Antworten Ihrer Kinder einzuprägen (ggf. später dann im Sinne einer Gedächtnisvertiefung zu notieren), denn nichts nervt Kinder mehr als „Wiederholungsfragen“ und / oder das Unvermögen der Eltern, sich z.B.: Die Namen der Freunde zu merken.
  • Lesen Sie (aktuelle!) Bücher über die Entwicklungsstadien Ihrer Kinder, deren Besonderheiten und wie man sich in Schlüsselsituationen (Trotzanfälle, pubertäre Ablösungsprozesse usw.) am besten verhält. Damit laufen Sie weniger Gefahr, dass die sporadischen Zusammenkünfte zu pädagogischen Fallen werden, in die Sie und Ihre Kinder ahnungslos hineintappen.
  • Information ist zwar gut und wichtig, reicht aber alleine nicht aus, um die Beziehung des Vaters zu den Kindern zu intensivieren. Dazu gehört in hohem Ausmaß auch ein, von sozialen Erlebnissen geprägtes Zusammensein: Das gemeinsame Meistern und Erleben von Situationen, die das Kind als wichtig empfindet, anhand derer es für seine eigene Entwicklung Rückschlüsse ziehen kann und Halt findet. Auch unangenehme Dinge, wie zum Beispiel ein Arztbesuch, zählen hier dazu. Die Versuchung, diese Pflichten der Mutter zu überlassen, ist groß. Welcher Vater setzt sich schon gerne nach einem anstrengenden Arbeitstag in das volle Wartezimmer des Kieferorthopäden? Fest steht: Die gemeinsam überstandene Aufregung – im genannten Beispiel die Probe einer Zahnspange – hilft jedoch entscheidend, die Kind-Vater-Beziehung zu vertiefen.
  • Die Scheidung der Eltern ist für Kinder ein stark verunsicherndes und einschneidendes Erlebnis. Deshalb müssen Eltern von Scheidungskindern vermehrte Energie aufwenden, um zu hinterfragen, was dem Wohlbefinden und der Persönlichkeitsentfaltung des Kindes dient. Jede genutzte Chance in diese Richtung ist ein „Kraftpaket“ für das Kind, eine Hilfe für eigene, zukünftige (oder bereits bestehende) Partnerbeziehungen um diese positiv zu gestalten und mit entstehenden Problemen konstruktiv (im Optimalfall sogar “kreativ”)

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Kategorien: Scheidung / Trennung

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