Kindesunterhalt, Höhe

11. November 2011 – Scheidung / Trennung

Unterhalt, Kind / Kinder – Berechnung

Wie hoch ist der Unterhaltsbetrag für mein Kind?

Der zu leistende Unterhaltsbeitrag für das Kind hängt ab von:

  • Den Lebensverhältnissen
  • Alter
  • Den entsprechend angepassten Bedürfnissen des Kindes
  • Den Einkommensverhältnissen des unterhaltspflichtigen
  • Anderen Unterhaltspflichten des zur Zahlung des Unterhalts verpflichteten Elternteils

Als Grundlage zur Berechnung der Unterhaltshöhe wird das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen (somit 1/12 des gesamten Jahres – Nettoeinkommens des Zahlungsverpflichteten) herangezogen.

Die Familienbeihilfe steht in voller Höhe jenem Elternteil zu, bei dem das noch nicht selbsterhaltungsfähige Kind lebt.

Ein Anhaltspunkt für die Berechnung der Höhe des Kindesunterhalts ist der “Regelbedarf”. Darunter versteht man den Durchschnittsbedarf eines österreichischen Kindes in den verschiedenen Altersstufen. Dieser Bedarfsrichtwert (% Satz vom Monats – Nettoeinkommen des Zahlungsverpflichteten) ist unabhängig vom sozialen Status, den Lebensverhältnissen der Eltern (z.B. betreffend Wohnung, Kleidung, Nahrung, Hobbys, Urlaub usw.).

Zu beachten ist: Der Gesetzgeber hat auch den Begriff der „Playboygrenze“ eingeführt. Dies ist die maximal mögliche Obergrenze für die Unterhaltshöhe. Ergibt – bei hohem Einkommen und einer Verpflichtung für nur ein Kind ist dies möglich – die Berechnung der Unterhaltshöhe nach obigen % Sätzen eine Überschreitung der „Playboygrenze“, so ist der Betrag der Unterhaltszahlung eben damit „begrenzt“.

Prozentsätze für Kindesunterhalt:

bis 6 Jahren: 16%
von 6 Jahren bis 10 Jahren: 18%
von 10 bis 15 Jahren: 20%
von 15 Jahren bis zur Selbsterhaltungsfähigkeit: 22%

Abzüge sind möglich für:

  • für jedes Kind bis 10 Jahre je 1%
  • für jedes Kind über 10 Jahren je 2%
  • für jede Unterhaltspflicht für die geschiedene Frau / neue Ehegattin 1 bis 3%

Ein Anhaltspunkt ist: Altersgemäßer Prozentsatz (einschließlich aller Abzüge für weitere Sorgepflichten), vom Netto-Monatsgehalt (die Summe darf den 2,5-fachen Regelbedarf nicht überschreiten!) minus der ganzen bzw. teilweisen Höhe der Kinderbeihilfe. Dies ist abhängig von der Unterhaltshöhe. Mein Rat:

Fragen Sie:

  • beim Bezirksgericht (Amtstag)
  • einen Anwalt
  • Bedienen Sie sich des Rechners der Jugendwohlfahrt:  www.jugendwohlfahrt.at.

Rechenbeispiele – Unterhaltsberechnung – Kindesunterhalt
(Angaben in € )

A) Netto-Monatsgehalt € 1200, Berechnung für zwei Kinder: 5 Jahre und 16 Jahre alt, Mutter Eigeneinkommen
Für das 5-jährige Kind: 14% (16% minus 2% für weitere Sorgepflicht / über 10 Jahre) von € 1200, ergibt € 168
Für das 16-jährige Kind: 21% (22%, minus 1% für weitere Sorgepflicht / unter 10 Jahre) des Netto – Monatseinkommens von  € 1200,- ergibt € 252,-.

B) Netto-Monatsgehalt € 5000, Berechnung für zwei Kinder: 5 Jahre und 16 Jahre alt. Mutter Eigeneinkommen.

Für das 5-jährige Kind: 14% (16% minus 2% für weitere Sorgepflicht / über 10 Jahre) von € 5000, ergibt € 700,-. Der Regelbedarf für diese Altersgruppe beträgt ca.  € 210,- (Stand 2006) € 210×2,5 = € 525,-

Der errechnete Betrag von € 700,- (14% des Monatsnettoeinkommens)  liegt über dem 2,5-fachen Regelbedarf. Daher ist  der als Regelbedarf ermittelte Betrag in Höhe von € 525,-  die Basis. Angerechnet wird die altersgemäße Kinderbeihilfe in Höhe von rund € 105,- (Kinderbeihilfe Stand 2006). Dies ergibt einen Richtwert für die Unterhaltsverpflichtung in Höhe von ca. €  420,- pro Monat.

Für das 16-jährige Kind: 21% (22%, minus 1% für weitere Sorgepflicht / unter 10 Jahre) des Netto – Monatseinkommens von  € 5000,- ergibt € 1050,-. Dieser Betrag ist höher  als der 2,5-fache Regelbedarf (€ 363,-x 2,5= ca. € 908,-) Da die “Playboygrenze” auch in diesem Fall nicht überschritten werden darf, ist die Basis für den Unterhalt:  € 908,-  abzüglich der Kinderbeihilfe in der Höhe von ca. € 130,-. (Stand 2006) Somit errechnet sich die geschätzte Höhe des monatlich zu bezahlenden Unterhalts mit:  € 778,-.

Wichtiger Hinweis: Der Unterhalt wird nicht nur ausschließlich berechnet, sondern vom Richter bzw. Rechtspfleger bemessen, d.h. alle Lebensumstände wie z.B.: Unregelmäßiges Einkommen des unterhaltspflichtigen, jährliche Anpassungen des Regelbedarfs usw. werden dabei berücksichtigt.

  • Aktuelle Bestimmungen zum Regelbedarf und sowie einen Unterhaltsrechner (auch unter Berücksichtigung der Kinderbeihilfe) finden Sie unter: ” Regelbedarf” oder  www.jugendwohlfahrt.at.
  • Auskunft gibt auch das zuständige Bezirksgericht.

Bei selbständig Erwerbstätigen ist der, im letzten Geschäftsjahr erwirtschaftete Gewinn als Berechnungsgrundlage heranzuziehen.(Basis: Einkommenssteuerbescheid) Bei – in ihrer Höhe – deutlich schwankenden Unternehmensergebnissen wird der Durchschnittswert der ausgewiesenen Gewinne der letzten drei Geschäftsjahre herangezogen.

Manche unterhaltspflichtige Elternteile wollen sich der finanziellen Verpflichtung entziehen, indem sie absichtlich nicht arbeiten oder (angeblich) weniger  verdienen. Wenn diese Vermutung zutrifft, hat das Gericht die Möglichkeit, den zur Unterhaltszahlung verpflichteten  Elternteil “anzuspannen”. Das bedeutet: Es wird ein fiktives Einkommen angenommen, das der zahlungspflichtige Elternteil bei entsprechend persönlichem Einsatz erzielen könnte. Davon wird dann die Unterhaltshöhe neu berechnet.

Ist der Zahlungspflichtige unverschuldet arbeitslos, kann er natürlich nicht “angespannt” werden. Er muss sich aber nachweislich darum bemühen, eine neue Arbeit zu finden.

Der Bezug von Schüler- und Studienbeihilfen vermindert die Unterhaltshöhe nicht. Der Bezug einer Lehrlingsentschädigung jedoch schon, weil diese als eigenes Einkommen gewertet wird.

Unterhaltsansprüche, die länger als drei Jahre zurückliegend nicht eingefordert werden, gelten als verjährt. Es empfiehlt sich daher, bei Unregelmäßigkeiten in den Zahlungen und Vermutungen, der Zahlungsverpflichtete könnte vereinbarte Leistungen unrechtmäßig nicht erbringen, das zuständige Bezirksgericht mit dieser Frage zu beschäftigen. („Feststellungsantrag“ d.h. man stellt bei Gericht den Antrag auf Feststellung der richtigen Unterhaltshöhe.)

Kommt man der Erfüllung seiner Unterhaltspflichtungen gegenüber seinem Kind / seinen Kindern in grobem Masse nicht nach und gefährdet so dessen / deren Erziehung, droht laut § 198 Strafgesetzbuch eine Strafe von bis zu sechs Monaten Freiheitsentzug.

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Kategorien: Scheidung / Trennung

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