Gemeinsame Obsorge, Scheidung

26. Oktober 2010 – Recht / Gesetz

Beide Elternteile teilen sich die Obsorge für Kind -


Gesetzestext

Rechtliche Voraussetzungen und Folgen der gemeinsamen Obsorge für ein minderjähriges Kind nach einer Scheidung, Gesetzestext, § 177. ABGB, Stand Jänner 2007

§ 177 ABGB

Eltern können nach der Scheidung, Aufhebung oder Nichtigerklärung der Ehe gemeinsam die Obsorge ihres gemeinsamen minderjährigen Kindes übernehmen. Hier die Gesetzestexte des Kindschaftsrechts – Änderungsgesetzes 2001:

§ 177 Abs.1
Wird die Ehe der Eltern eines minderjährigen Kindes geschieden, aufgehoben oder für nichtig erklärt, so bleibt die Obsorge beider Eltern aufrecht. Sie können jedoch dem Gericht – auch in Abänderung einer bestehenden Regelung – eine Vereinbarung über die Betrauung mit der Obsorge vorlegen, wobei die Betrauung eines Elternteiles allein oder beider Eltern vereinbart werden kann. Im Fall der Obsorge beider Eltern kann diejenige eines Elternteiles auf bestimmte Angelegenheiten beschränkt sein.

§ 177 Abs. 2
In jedem Fall einer Obsorge beider Eltern haben sie dem Gericht eine Vereinbarung vorzulegen, bei welchem Elternteil sich das Kind hauptsächlich aufhalten soll. Dieser Elternteil muss immer mit der gesamten Obsorge betraut sein.

§ 177 Abs. 3
Das Gericht hat die Vereinbarung der Eltern zu genehmigen, wenn sie dem Wohl des Kindes entspricht.

§ 177a Abs. 1
Kommt innerhalb angemessener Frist nach Scheidung, Aufhebung oder Nichtigerklärung der Ehe der Eltern eine Vereinbarung nach § 177 ABGB über den hauptsächlichen Aufenthalt des Kindes oder über die Betrauung mit der Obsorge nicht zustande oder entspricht sie nicht dem Wohl des Kindes, so hat das Gericht, wenn es nicht gelingt, eine gütliche Einigung herbeizuführen, zu entscheiden, welcher Elternteil künftig allein mit der Obsorge betraut ist.

§ 177a Abs. 2
Sind beide Eltern gemäß § 177 ABGB nach Scheidung, Aufhebung oder Nichtigerklärung ihrer Ehe mit der Obsorge betraut und beantragt ein Elternteil die Aufhebung dieser Obsorge, so hat das Gericht, wenn es nicht gelingt, eine gütliche Einigung herbeizuführen, nach Maßgabe des Kindeswohles einen Elternteil allein mit der Obsorge zu betrauen.

§ 177b
Die vorstehenden Bedingungen sind auch anzuwenden, wenn die Eltern eines minderjährigen ehelichen Kindes nicht bloß vorübergehend getrennt leben. Doch entscheidet das Gericht in einem solchen Fall über die Obsorge nur auf Antrag eines Elternteils.

Die Eltern sollten sich einig sein, im welchem Haushalt sich das Kind hauptsächlich aufhalten wird. Es gibt auch die Möglichkeit, zwar nur einen Elternteil mit der Obsorge zu betrauen,  jedoch der andere Elternteil in festgelegten Bereichen (z.B. Ausbildung, Schulwahl usw.) an der Obsorge teilhat.

Die gemeinsame Obsorge kann auch von Eltern, die schon vor dem 1. Juli 2001 geschieden wurden, beantragt werden.

Sollten die Eltern unverheiratet sein, sich aber trennen, können auch diese eine gemeinsame Obsorge für minderjährige Kinder beantragen. Gemeinsame Obsorge bedeutet immer  gemeinsame Erziehungsarbeit. Es kann nicht sein, dass man auf dem Mitspracherecht beharrt, dafür aber nichts leistet.

Tipps zum Wohle der Kinder:

  • Es sollte in jedem Fall ein vernünftiges und emotionsfreies Gesprächsklima zwischen den getrennten Eltern herrschen, denn sonst wird in einer Diskussion über richtige Erziehungsmaßnahmen eine Einigung nur schwer möglich sein.
  • Die gemeinsame Obsorge sollte keinesfalls als “Stellvertreterkrieg” missbraucht werden.
  • Neue Lebenspartner sollten sich bei Erziehungsfragen für Kinder, die aus einer vorangegangen Ehe  stammen, eher im Hintergrund halten.

Beitrag kommentieren

Kategorien: Recht / Gesetz

Tags: , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit Pflichtfeld gekennzeichnet.

Durch die Abgabe Ihres Kommentares gestatten Sie 2minus1 diesen auf dieser Website zu veröffentlichen.
Bitte beachten Sie, daß unangebrachte, irrelevante oder beleidigende Kommentare durch den Administrator gelöscht werden.