Gespräche und Streitgespräche führen

6. Juni 2010 – Beruf / Weiterbildung

Kommunikation, Tipps

Grundlagen für die richtige Gesprächsführung

Will man ein gutes Gespräch erweist es sich für alle Gesprächspartner als Vorteil, gewisse Regeln bei der Gesprächsführung zu beachten. Sir Karl Popper fasst sie in der “Liste der Rechte und Pflichten derer, die von ihren Mitmenschen lernen wollen” zusammen:

  • Jeder Mensch hat das Recht auf die wohlwollendste Auslegung seiner Worte.
  • Wer andere zu verstehen sucht, dem soll niemand unterstellen, er billige schon deshalb deren Verhalten.
  • Zum Recht, ausreden zu dürfen, gehört die Pflicht, sich kurz zu fassen.
  • Jeder soll im voraus sagen, unter welchen Umständen er bereit wäre, sich überzeugen zu lassen.
  • Wie immer man die Worte wählt, ist nicht sehr wichtig; es kommt darauf an, verstanden zu werden.
  • Man soll niemanden beim Wort nehmen, wohl aber ernst nehmen, was er gesagt hat.
  • Es soll nie um Worte gestritten werden, allenfalls um Probleme, die dahinter stehen.
  • Kritik muss immer konkret sein.
  • Niemand ist ernst zu nehmen, der sich gegen Kritik unangreifbar gemacht, also “immunisiert” hat.
  • Man soll einen Unterschied machen zwischen Polemik, die das Gesagte umdeutet, und Kritik, die den anderen zu verstehen sucht.
  • Kritik soll man nicht ablehnen, auch nicht nur ertragen, sondern man soll sie suchen.
  • Jede Kritik ist ernst zu nehmen, selbst die in böser Absicht vorgebrachte; denn die Entdeckung eines Fehlers kann uns nur nützlich sein.

(Sir Karl Popper, zitiert in Krämer / Schmidt: Lexikon der populären Listen; Vito von Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1997; als Originalquelle dort angegeben: Karl Popper: Aufklärung und Kritik, 1994)

Hauptstörfaktor, dass wir meistens nicht im Sinne einer guten Gesprächskultur agieren können, sind unsere Emotionen, vor allem jene, die destruktiv wirksam sind (z.B. Aggressionen). Daher ist es sehr wichtig, die Emotionen auf einem Niveau zu halten, das die Konzentration auf die Sachebene nicht behindert.

Fällt es einem Gesprächsteilnehmer besonders schwer, ruhig und sachlich zu sein, kann ein Mediator oder eine andere geschulte Person (Familien- und Partnerberater, Lebensberater usw.) das Gespräch leiten. Jeder hat die Möglichkeit, seine Gesprächsinhalte und Gesprächsregeln im Erstgespräch zu definieren. Der Mediator achtet bei den weiteren Zusammenkünften darauf, dass diese Vereinbarungen eingehalten werden. Die Beschränkung der Gesprächszeit auf eine bestimmte Zeitspanne kann sehr konstruktiv sein. So werden die Gesprächspartner angehalten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Mediierte Gespräche kosten zwar Geld, sparen aber Nervenkraft und führen rascher zum Ziel.

Ein besonderes Augenmerk sollte man auch auf die Vorbereitung von wichtigen Gesprächen verwenden. Die eigenen Gedanken im Vorfeld schon klar definiert zu haben, erweist sich in den meisten Fällen aus großer Vorteil. Hilfreich dabei: eine Check-Liste an Argumenten, die man erörtert haben möchte.

Tipp für den Umgang mit einem verbalen Untergriff:

Schreiben Sie einen solchen auf einen kleinen Zettel, zerknüllen Sie diesen und werfen Sie ihn in einen Papierkorb. Sie dokumentieren damit vor sich, dass Sie nicht gewillt sind, den Untergriff zuzulassen. Gleichzeitig wird Ihr Bewusstsein gestärkt und der Geist gegen den verbalen Faustschlag immunisiert. Mit der Aktion zeigen Sie dem Gesprächspartner, dass Sie den Untergriff sehr wohl registriert haben, aber inhaltlich nicht darauf reagieren wollen – weil für die Sache nicht von Bedeutung.

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